This is as close to a direct copy as possible, if for any reason,
the owner (or their family) of the name or call sign wishes it removed
please utilize the bulletin board on the main english page to notify me.
Basler Reminiszenzen 1890 bis 1930
Vorrede an den gutherzigen Leser
Durch Zufall kamen mir 3 Blätter in die Finger, von denen das
Titelblatt unverändert übernommen wurde.
In diesen Blättern war eine kurze Zusammenfassung zu finden, was sich
in Basel auf dem Gebiet der Radiotechnik und des Amateurfunkwesens getan
hat. Die Darstellung hörte mit dem Jahre 1992 auf.
Der Indianer-Häuptling Crazy Horse vom Stamme der Oglala-Lakota hat
einmal gesagt: "Leute ohne geschichtliches Wissen sind wie Wind, der
über das Büffelgras bläst"
Ich habe an die vielen, neuen Funkamateure gedacht, die in den letzten
Jahren entstanden sind und mich gefragt: wo sollen diese ihr
geschichtliches Wissen hernehmen, wenn es nur ganz wenige Bücher über
dieses Thema gibt und diese zumeist schon vergriffen sind.
Die nachfolgenden Reminiszenzen stellen einen Versuch dar, aus grosser
räumlicher Distanz eine geschichtliche Kurzfassung zu schreiben.
Natürlich ist ein solches Unternehmen stets persönlich gefärbt, obwohl
sich der Autor bemüht hat, neutral zu bleiben. Es könnte sein, dass der
eine oder andere Name eines Amateurfunkers nicht oder falsch erwähnt
wurde. Es könnte sein, dass das eine oder andere beschriebene Ereignis zu
einem andern Zeitpunkt als erwähnt, stattfand. Es könnte sogar sein, dass
das eine oder andere Ereignis gar nicht erwähnt wurde.
Der gutherzige Leser möge solches entschuldigen. Es ist nicht einfach,
sich an Alles und Jedes gut zu erinnern, was innert des Autors Leben von
87 Jahren stattfand.
Die "Basler Reminiszenzen" werden an eine Anzahl Basler Funkamateure
versandt. Es steht den Empfängern frei, sie in Monatsblättern der
Sektionen zu veröffentlichen oder weiter zu vervielfältigen.
Denkbar wäre auch eine Gratisabgabe an alle Newcomer nach bestandener
Prüfung, damit sie nicht zum "Wind werden, der über das Büffelgras bläst".
Ruedi Mangold W6/HB9DU Penn Valley CA USA
Bitte des Autors: Ich bitte um tatkräftige Mithilfe jüngerer OMs,
damit das, was ab jetzt geschieht, schriftlich festgehalten wird. Wenn
möglich mit entspr. Fotografien.
Im NCARC besteht ein besonderer Posten "Historian", der die Aufgabe
hat, alle geschichtlichen Ereignisse chronologisch zu ordnen und in einer
Dokumentenmappe aufzubewahren. Dürfte dies nicht auch für die Basler
Sektionen eine Anregung sein?
Der Autor wird in absehbarer Zeit das Silent-Key-Diplom erhalten und
dann wird es die jüngeren Funkamateure interessieren, was nach 1992 alles
geschah.
Technischer Hinweis: Bei der Jahreszahl sind Fragezeichen. Dies
bedeutet, dass der Autor die genaue Zahl nicht eruieren konnte. Die
eingerahmten kleinen Fotos (mit Links) bedeuten, dass zu diesem
Ereignis im Anhang eine Fotografie ist.
1890 Die Aufsehen erregenden Versuche von
Heinrich Hertz am 13. Dez. 1888 werden in Basel von den Professoren
E. Hagenbach-Bischoff und L. Zehnder in der physikalischen Anstalt der
Universität wiederholt.
1892 An der 75. Jahresversammlung der
Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft führt Prof. L. Zehnder diese
grundlegenden Versuche vor.
1913 Das Rheinkraftwerk Augst nimmt seinen
Betrieb auf. Zur Propagierung fand beim Bundesbahnhof, auf dem ehemaligen
Kohlenplatz, eine Elektrizitätsausstellung statt. Höhepunkt war die
Empfangsstation für drahtlose Telegraphie, wo der staunende Besucher aus
dem ans Ohr gepressten Kopfhörer die Zeitsignale, Wetterberichte und
Nachrichten des Eiffelturm-Funkensenders hören konnte. Die Entzifferung
dieses Morsetextes gelang selbst den Telegraphisten nicht immer, da sie
den eigenartigen Ton nicht gewohnt waren.
Als Detektor diente eine
Zinkit-Kupferkies-Kombination. Zur Abstimmung diente eine etwa 80 cm
lange und 20 cm weite Spule, an der ein Schleifkontakt entlang geschoben
wurde.  Um auch in den Sendepausen des
Eiffelturms etwas vordemonstrieren zu können, wurde der physikalischen
Anstalt gestattet, Sende- und Empfangversuche zu unternehmen. Prof. H.
Zickendraht und H. Veillon machten Versuche mit Knallfunken und
Stossfunkensendern. Vom Turm der Peterskirche war eine 100 m lange Antenne
ins Zimmer des Stadtuhrenmachers gespannt, wo die Anlage stand.
Ebenfalls im 1913 begann Prof. Zickendraht mit Vorlesungen über
drahtlose Telegraphie.
1914 Die Firma Klingelfuss beginnt mit dem Bau
von kleinen Funkensendern, da sie Erfahrung mit dem Bau von
Rhumkorff'schen Induktorien hatte, die für den Betrieb von Röntgenröhren
gebraucht wurden. Die Sender wurden an die Schweizer Armee geliefert, die
seit 1904 Interesse an der Entwicklung des Funks zeigte. Otto Ess
(H9R-19, HBR-19, H9XB, HB9B, HB9AE) war damals als Schüler und Gehilfe in
seines Vaters Apotheke an der Maulbeerstrasse tätig. Die drahtlose Station in
der Ausstellung reizte ihn, eine eigene Empfangsstation zu bauen. Doch
woher soll er das Material für den Detektor nehmen? Otto tat geraspeltes
Blei und Schwefelpulver in ein Reagenzglas, erhitzte die Mischung und
unter Aufleuchten entstand eine zusammengesinterte Masse mit den
Eigenschaften von Bleiglanz (Galena). Man kann sich das ungläubige
Erstaunen seiner Eltern vorstellen, als er bei äusserster Stille in der
Dachkammer zeigte, was er mit den merkwürdigen, über den Garten gespannten
Drähten aus der Luft auffing und zu Papier brachte. Otto bewarb sich
bei der GD PTT um eine Empfangskonzession. Er erhielt sie "zu
Studienzwecken". 2 Wochen später brach der erste Weltkrieg aus. Ein
Beamter der Telephondirektion holte Kristalldetektor, Kopfhörer, Antennen,
und Erddraht samt Isolatoren ab und liess sie, zusammen mit dem Material
der physikalischen Anstalt und dem Ausstellungsmaterial im Dachmagazin der
Verwaltung einlagern. Otto Ess wäre kein richtig angefressener Amateur
gewesen, wenn er nicht nach Wegen gesucht hätte, wieder drahtlosen
Empfang zu bekommen. Er war jetzt Lehrling in einer Landapotheke. Dort
schmolz er einen neuen Galene. Und weil die Errichtung einer Aussenantenne
zu riskant war, benutzte er mit Erfolg die Freileitung des Telefons zur
Apotheke.
1915 Die Militärbehörden bewilligen
funkentelegraphische Versuche vom Bernoullianum aus, wobei die Sender der
Fa. Klingelfuss im Sommer in Bern gehört wurden.
1917 Die Basler Glühlampenfabrik in einem
Hinterhaus an der Gundeldingerstrasse nimmt die Fabrikation von
Elektronenröhren auf. Zum Unterschied aller bisherigen, ausländischen
Röhren hatten sie eine glockenförmige Anode und ein über dem Heizfaden
flach liegendes, spiraliges Gitter. Ihr Kennzeichen war ein ins Glas
geätztes Schweizerkreuz mit einem Baselstab in der Mitte. Darunter stand:
ER
1 (=Empfangsröhre No.l). Es ist nicht bekannt, wieviel total
hergestellt wurden.
3 sind noch erhalten: 2 in der physikalischen Anstalt und
eine in der Röhrensammlung von HB9DU.
1919 Am 29. September wurde das bei Kriegsausbruch
erlassene Verbot über die Benützung radiotelegraphischer Anlagen teilweise
aufgehoben. Damit begann auch in Basel wieder eine rege Basteltätigkeit.
Es war die Zeit, da fertige Geräte, meist aus USA bezogen, sehr teuer
waren. Die Röhren wurden mit Strom aus Akkumulatoren geheizt, die
Anodenspannungen durch Serieschaltung von Taschenlampenbatterien
gewonnen. Zu den Akkus gehörte natürlich ein Ladegerät, das meistens ein
Pendel- oder später ein Kupferoxidgleichrichter war.
1923Um einander zu helfen und Erfahrungen zu
sammeln, schlossen sich zu jener Zeit die Rundspruchamateure zu Clubs
zusammen. Am 19. Januar wurde der Radio-Club Basel (RCB) in der Safranzunft
gegründet. Der erste Präsident war Dr. Gustav Oesterheld, Analytiker in
der Gesellschaft für chemische Industrie. Der Aktuar wurde Otto Ess. Es
waren 12 Radiopioniere, u.a. A. Krethlow (später KTA), Dr. 0. Kaiser (H9R
15), Dr. K. Baumann (später HB9BY) Assistent von Prof. Zickendraht.
1924 Auf Initiative von Prof. Zickendraht und
Dr. A. Krethlow wurde die Basler Radiogenossenschaft gegründet. Der Flugplatzsender beim Zeughaus wird
nach Einbruch der Dunkelheit dem Rundfunk zur Verfügung gestellt. Das
Studio befindet sich im ersten Stock eines der SBB gehörenden Gebäudes an
der Centralbahnstrasse. Der Tontechniker im Studio war A. Müller, der
erste Sprecher Dr. Schlageter.
Dort wo jetzt die letzte Halle der
MUBA steht, war ein grosser, leerer Platz. Im Winter wurde er gewässert und
bildete eine für Kleinbasel erwünschte Eisbahn. R. Mangold von der Hammerstrasse
fuhr dort Schlittschuh. Eines Abends ging er in die daneben liegende
Maulbeerstrasse und trieb sich so lange vor der Apotheke herum, bis jemand
fragte, auf was er warte. Dann wurde er von Otto Ess in seine Funkbude
genommen. Wieder zu Hause bittet er seinen Vater, mit ihm zusammen eine
Radio-Empfangsanlage zu bauen. Der Vater willigt ein, möchte jedoch zuerst
ein positives Resultat hören, bevor er eine Konzession beantragt.
1927 Der Clubsender des Radio-Club Basel erhält
das Rufzeichen H9XB. Morsekurse unter Leitung von Dr. O. Kaiser (H9R15),
Otto Ess (H9R19) werden durchgeführt.
1928 Da der Empfänger von Mangold Vater + Sohn
einwandfrei läuft, erhält er die Konzession Nr. 4642 am
19. Dezember. Jahresgebühr Fr. 15.-- L. Biri und O. Ess erwerben das
Radiotelegrafistenpatent.
1929
Der Clubsender erhält das neue
Rufzeichen HB9B. Sein Standort: in einem alten Bauernhaus auf der
Luftmatt, dort wo jetzt die KHS steht. Otto Ess op. HB9B organisiert die
erste "Fuchsjagd". Die Empfänger waren zwischen 3 und 6 kg schwer! Die
Wellenlänge bei ca. 175 m. Dr. W. Lüthy erteilt einen Einführungskurs in
die Radiotechnik. Der Clubsender ist an 172 Tagen in Betrieb.
Gehen
Sie zu 1930 bis 1940
Gehen
Sie zu 1940 bis 1949
Gehen
Sie zu 1950 bis 1980
Gehen
Sie zu 1980 bis 1992
Historische Aufzeichnungen zur Entwicklung des Radiowesens in
Basel/Schweiz Abgeschrieben mit Hochachtung 2002 Kevin K.
O'Neill |